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Press Release

14. March 2019

DMEA Themendossier Digitalisierung der Pflege

Pflege digital: Weniger Bürokratie, mehr Zeit am Patienten

Die Bedeutung der Pflege im Gesundheitswesen wächst und wächst, nicht zuletzt wegen der demographischen Alterung der Bevölkerung. Gleichzeitig sind Personalmangel und knappe Ressourcen nirgendwo so deutlich spürbar wie in der Pflege – ob ambulant, in der Langzeitpflege oder im Krankenhaus. Eine konsequente und bedarfsgerechte Digitalisierung von pflegerischer Dokumentation und pflegerischen Prozessen kann den Pflegenotstand nicht beseitigen, aber sie kann das Pflegepersonal entlasten und so letztlich dazu beitragen, dass mehr Zeit für die eigentliche pflegerische Tätigkeit am Patienten bleibt. Bei der DMEA 2019 ist die Digitalisierung der Pflege ein zentrales Thema.

Der Mangel an Pflegekräften ist eines der „Megathemen“ in der Medizin. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege zur Aufgabe gemacht. Das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) war eines der ersten großen Gesetze, die der Minister erfolgreich durch den Deutschen Bundestag gebracht hat. Unterschiedliche Ansätze werden derzeit diskutiert und vorangetrieben, um die drängendsten Probleme im Pflegesektor und in der Krankenhauspflege zu lösen. Ein wichtiges Stichwort sind die im PpSG angelegten Personaluntergrenzen. Auch die Anwerbung von Pflegekräften aus anderen Ländern wird diskutiert.

Pflegenotstand: Entlastungspotentiale durch IT-Lösungen nutzen

Noch zu wenig im Blick steht dagegen die Unterstützung und Entlastung der Pflegekräfte durch eine konsequente Digitalisierung, sowohl in Krankenhäusern als auch in stationären Pflegeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten. „Eine Ablösung papiergebundener Prozesse durch eine konsequente digitale Abbildung von Pflegeleistungen können Pflegekräfte in allen Arbeitskontexten stark entlastet werden“, betont Sebastian Zilch, Geschäftsführer Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e. V. „Der Aufwand der Umstellung ist deutlich geringer als für die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland oder für die Umschulung von Personal aus anderen Bereichen.“

Die Digitalisierung pflegerischer Prozesse ist dabei kein Selbstläufer. Sie muss gut geplant, sorgfältig umgesetzt und nachhaltig finanziert werden. So sollten die gesetzlichen Rahmenbedingungen so beschaffen sein, dass es möglich wird, auf pflegeassoziierte, papiergebundene Prozesse vollständig zu verzichten. Und die Finanzierungsregelungen für pflegerische Leistungen sollten es für Einrichtungen attraktiv machen, digitale Prozesse zu etablieren. Auch müssen Pflegekräfte bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens als eigenständige Akteure mehr Berücksichtigung finden. So konzentriert sich der Anwenderkreis der deutschen Telematikinfrastruktur bisher ausschließlich auf Ärzte und Apotheker. Pflegekräfte (und andere Gesundheitsberufe) kommen nicht vor.

Stolpersteine vermeiden, Digitalisierungskompetenz ausbauen

Diese und andere Forderungen hat der bvitg im Sommer 2018 in einem Positionspapier zur Digitalisierung der Pflege niedergelegt. Es geht bei diesem Thema aber nicht nur um die politischen Rahmenbedingungen, sondern auch um die Umsetzung digitaler Prozesse auf Ebene der einzelnen Einrichtungen: „Der wichtigste Punkt für den Erfolg von Digitalisierungsprojekten mit Pflegebezug ist die Einbindung der Pflegekräfte bei allen Projektschritten; von der Auswahl des Produkts bis zur Implementierung“, betont Heiko Mania, der beim bvitg die vor einem Jahr neu gegründete Arbeitsgruppe „Digitalisierung in der Pflege“ leitet.

Wie das konkret aussehen sollte, wird unter anderem bei dem Seminar „Digitalisierung in der Pflege – Best-Practice-Wissen für erfolgreiche Projekte“ thematisiert, das Mania bei der DMEA leitet. Als vielleicht wichtigsten Stolperstein bei Digitalisierungsprojekten in der Pflege betrachtet Mania neben der mangelhaften Einbindung des Pflegepersonals eine suboptimale digitale Umsetzung der Pflegeprozesse: „Hier gibt es häufig ganz unterschiedliche Erwartungen zu Projektbeginn. Wenn es nicht gelingt, im Vorfeld einen gemeinsamen Erwartungshorizont zu schaffen, wird es fast zwangsläufig zu Enttäuschungen kommen.“

Zu berücksichtigen ist auch, dass die IT-Kompetenz in der Ausbildung zu Pflegeberufen unzureichend vermittelt wird. Wichtiger Bestandteil eines jeden Pflege-IT-Projekts sei es deswegen, den Pflegekräften Kompetenzen zu vermitteln und Ängste zu nehmen, betont Mania. Eine Pflegedokumentation direkt am Point-of-Care werde von der Pflege in jedem Fall wesentlich besser angenommen als die Arbeit mit stationären IT-Systemen weit weg vom Patienten.

PpSG und die Folgen: Ohne digitale Pflegedokumentation geht es nicht mehr

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Bereitschaft zu einer Digitalisierung der Pflegeprozesse in den medizinischen und pflegerischen Einrichtungen des Gesundheitswesens stark zunimmt. Im Moment dokumentieren Pflegekräfte in Deutschland zwar noch in mehr als sieben von zehn Einrichtungen mit Stift und Papier. Das wird sich aber nicht mehr lange durchhalten lassen, weil die Anforderungen an die Pflegedokumentation in den nächsten Jahren weiter steigen werden.

Ein wichtiger Grund dafür sind die politischen Initiativen zur Stärkung der Pflege, allen voran das PpSG. In dessen Rahmen soll unter anderem die Pflegefinanzierung im Krankenhaus auf völlig neue Beine gestellt werden. „Die genaue Umsetzung dieser Neuerung ist im Moment noch unklar, aber es ist sicher, dass Pflegeleistungen künftig anders dargestellt und erfasst werden müssen“, so Mania. Auch die Personaluntergrenzenregelung, die seit Anfang 2019 gilt, zwingt insbesondere Krankenhäuser dazu, Leistungen transparenter zu machen und sie damit besser zu dokumentieren, um den Pflegequotienten berechnen und das knappe Personal an den richtigen Stellen einsetzen zu können. Mit Papier und Stift ist das nicht mehr zu schaffen.

Anreize für die Digitalisierung der ambulanten und der Langzeitpflege

Im Bereich der ambulanten Pflege und der Langzeitpflege könnte eine andere Regelung des PpSG für einen Digitalisierungsschub sorgen: Pflegedienste und Pflegeheime, die in Digitalisierung investieren, können eine Anschubfinanzierung von bis zu 12.000 Euro in Anspruch nehmen, wenn sie bereit sind, selbst auch zu investieren. „Um wichtige Digitalisierungsprojekte anzuschieben, ist das eine gute Basis. Wir gehen davon aus, dass diese Förderungen von den Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten rege in Anspruch genommen wird“, so Mania.

Aus Sicht des bvitg ist eine Anschubfinanzierung allerdings nur ein erster Schritt. „Wir fordern eine erhöhte, langfristige und vollumfängliche Finanzierung von Digitalisierungsmaßnahmen in der Altenpflege. Eine einmalige Teilfinanzierung wird nicht zu einer nachhaltigen Entlastung führen“, betont bvitg-Geschäftsführer Sebastian Zilch. Auch für eine Verpflichtung zur Umstellung auf elektronische Prozesse in der Altenpflege plädiert der Verband, außerdem für Regelungen, die – ähnlich wie bei den elektronischen Patientenakten – gewährleisten, dass Industrie und Standardisierungsgremien bei der Definition von Schnittstellen und Terminologien für die digitale Pflege einbezogen werden.

Termine im Überblick

Erster DMEA-Tag (09. April 2019):

• Kongress-Session: Digitale Transformation in der Pflege – Was ist der Mehrwert? (Zeit: 09:30 - 11:00 Uhr | Ort: _Stage C, Halle 4.2)

• Kongress-Session: Pflege im intersektoralen und interprofessionellen Versorgungsprozess (Zeit: 11:30 - 13:00 Uhr | Ort: _Stage C, Halle 4.2)

• Seminar: Digitalisierung in der Pflege – Best-Practice-Wissen für erfolgreiche Projekte (Zeit: 13:30 - 17:15 Uhr | _Room Lovelace, Halle 1.2)

• Talk: Automatisierungstechnologien und Assistenzsysteme in der Pflege (Zeit: 14:30 - 15:30 Uhr; _Hub 2, Halle 2.2)

• Talk: Health & Care 4.0. Intelligente Assistenzsysteme im Zukunftsmarkt Gesundheit (Zeit: 15:45 - 16:45 Uhr | Ort: _Hub 1, Halle 2.2)

Zweiter DMEA-Tag (10. April 2019):

• Werkstatt: Elektronische Patientenakten – Erwartungen der Ärzte, Pflegekräfte und Patienten (Zeit: 11:30 - 13:00 Uhr | Ort: _Box, Halle 1.2)

• Kongress-Session: Geht es voran? Telemedizin und Homecare in Deutschland (Zeit: 11:30 - 13:00 Uhr | Ort: _Stage B, Halle 2.2)

• Exkursion: Exkursion zu einer stationären Pflegeeinrichtung (Zeit: 11:30 - 14:30 Uhr | Treffpunkt: Eingang Messe Süd)

• Talk: Von 0 auf 100: IT in der Pflegepraxis (Zeit: 13:15 - 14:15 Uhr | Ort: _Stage B, Halle 2.2)

• Talk: Digitale Gesundheit: Erfolgreich mit Nutzerorientierung und Partizipation! (Zeit: 17:00 - 18:00 Uhr | Ort: _Hub 4, Halle 4.2)

•  Messeführung: Tour 22: IT in der stationären Pflegeversorgung (17:00 - 18:00 Uhr | Mittelfoyer, Halle 3.2 | 4.2)

Dritter DMEA-Tag (11. April 2019):

• Seminar: IT in der Intensivmedizin und Anästhesie (Zeit: 09:30 - 13:15 Uhr | Ort: _Room Lovelace, Halle 1.2)

• Messeführung: Digital Patient Empowerment (Zeit: 14:30 - 15:30 Uhr | Ort: Mittelfoyer, Halle 3.2 | 4.2)

Über die DMEA

Die DMEA löst die conhIT – Connecting Healthcare IT ab und folgt damit der strategischen Weiterentwicklung mit dem Ziel, zukünftig die gesamte digitale Versorgungskette in allen Prozessschritten abzubilden. Die DMEA wird hierfür schrittweise zur Plattform für alle digitalen Bereiche ausgebaut, die heute und in Zukunft die Akteure des Gesundheitssystems betreffen. Die DMEA richtet sich an Entscheider aus sämtlichen Bereichen der Gesundheitsversorgung – von Krankenhausgeschäftsführern und IT-Leitern über Ärzte und Pflegedienstleiter bis hin zu Gesundheitspolitikern und Experten aus Wissenschaft und Forschung. Als integrierte Gesamtveranstaltung mit Messe, Kongress, Akademie und Networking bietet sie den Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen und Produkte der digitalen Gesundheitsversorgung zu informieren, Kontakte in der Branche zu knüpfen und sich auf hohem Niveau fortzubilden.

Veranstalter der DMEA ist der Bundesverband Gesundheits-IT – bvitg e.V., die Organisation liegt bei der Messe Berlin. Sie wird darüber hinaus in Kooperation mit den Branchenverbänden GMDS (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie) e.V., BVMI (Berufsverband Medizinischer Informatiker) e.V. sowie unter inhaltlicher Mitwirkung von KH-IT (Bundesverband der Krankenhaus-IT-Leiterinnen/Leiter) e.V. und CIO-UK (Chief Information Officers – Universitätsklinika) gestaltet. Die dreitägige Veranstaltung findet jedes Jahr im April auf dem Berliner Messegelände statt.

Weitere Informationen über Produkte, Themen, Veranstaltungen und Trends der Branche bietet das Health IT-Portal der bvitg Service GmbH, ein Tochterunternehmen des Bundesverbands Gesundheits-IT bvitg e.V.:

www.health-it-portal.de