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Press Release

09. April 2019

Soll man Ärzten das Faxgerät verbieten?

Höchstens 30 Sekunden pro Frage, 90 Sekunden für die Antwort: Dr. Gottfried Ludewig, Abteilungsleiter für Digitalisierung und Innovation im Bundesgesundheitsministerium, war der erste Politiker, der auf dem eHealth Hot Seat der DMEA Platz nahm und sich den Fragen des Publikums stellte. Ein Schlagabtausch mit tiefen Einblicken.

Auf dem Heißen Stuhl werden Befragte eigentlich gegrillt. Dr. Gottfried Ludewig, Abteilungsleiter für Digitalisierung und Innovation im Bundesgesundheitsministerium, bestand die Feuerprobe auf der DMEA aber recht souverän – obwohl das Publikum durchaus bohrende Fragen für ihn bereithielt.

Der eHealth Hot Seat ist ein neues Format auf der DMEA und empfindet sozusagen die rasante Entwicklung der Digitalisierung nach: Jeder aus dem Publikum vor Ort oder zugeschaltet per Video und Twitter durfte eine Fragen stellen, musste aber in 30 Sekunden sein Anliegen auf den Punkt bringen. Dr. Ludewig hatte seinerseits jeweils 90 Sekunden Zeit für seine Antwort. Die Uhr tickte mit, und tatsächlich hielten sich alle vorbildlich an die Spielregeln.

Frage: Im Zeitalter der Digitalisierung ist das Faxgerät immer noch das meistgenutzte Kommunikationsmittel in deutschen Arztpraxen. Warum verbieten wir es nicht?

„Die bestehende Technologie ist noch nicht so weit, dass wir das Faxgerät verbieten können“, räumte Ludewig ein. Ein Problem liege auch in der Vergütung: Pro Fax bekomme der Arzt 55 Cent, für ausgehende Mails nur 28 Cent, für eingehende Mails 27 Cent. Ein Verbot sei nicht der erste Schritt, sondern die Frage: „Wie gewichten wir die Finanzierung?“

Frage: Das Sozialgesetzbuch ist ein analoges Konzept, das nicht ins digitale Zeitalter passt. Wann kommt das E-Health-Gesetz?

Ein Entwurf zum Digitalgesetz solle im zweiten Quartal vorgelegt werden, sagte Ludewig. „Aber das ist nicht das Ende.“ Es sei nicht der Ansatz des BMG, ein großes Digitalisierungsgesetz vorzulegen, „und dann sind wir fertig für die Legislaturperiode“. Vielmehr solle in jedem Gesetz der Digitalisierungsaspekt mit eingebaut werden, wenn ein Thema so weit sei.

Frage: Wann können Forscher die gemeinsame Sprache der Medizin – SNOMED CT – nutzen?

Zurzeit sei diese Sprache für das deutsche Gesundheitssystem noch nicht geeignet, sagte Ludewig. „Das wäre eine Überforderung für das System. Ich glaube aber, dass wir sie erwerben sollten, um sie der Forschung zur Verfügung zu stellen.“ Möglichst solle es noch in diesem Jahr „zu einem positiven Ende kommen“.

Frage: Auch 2013 waren elektronische Gesundheitskarte und elektronische Patientenakte schon ein Thema. Was ist der Unterschied heute zu damals?

„Wir haben die Regeln innerhalb des SGB 5 an vielen Stellen verändert“, antwortete Ludewig, um aufzuzählen: Es liege eine Spezifikation für die elektronische Patientenakte vor. Es gebe eine Struktur in der Gematik und eine Zuständigkeit für die Entwicklung der elektronischen Patientenakte. Und das elektronische Rezept sei nun erlaubt. Innerhalb von zwölf Monaten habe das BMG in hohem Tempo den Rahmen neu gesteckt.

Frage: Die Spezifikationen für die elektronische Patientenakte ist sehr auf Deutschland beschränkt – wie soll da eine Internationalisierung gelingen?

„Das ist eine Lieblingsleidenschaft von uns Deutschen: dass wir uns auf eine Basis einigen und uns dann 200 Unterpunkte einfallen“, sagte Ludewig. Die ePa solle zum 1.1.2021 eingeführt werden – „und wenn es eine Sammlung von PDFs ist, dann ist das ein Startpunkt“, von dem aus die Akte „kontinuierlich weiterentwickelt“ wird. „Das ist sicherlich nicht die perfekte internationale Akte, weil sie auf einem sehr deutschen Sicherheitsbedürfnis fußt.“ Für den Start sehe er die Internationalisierung nicht, „bei der Weiterentwicklung schon“.

Frage: Was macht das BMG, um den Gesundheitsmarkt für Startups zu öffnen? Und kommen Sie jetzt nicht mit dem Innovationsfonds!

Der Innovationsfonds sei auch eine Möglichkeit, auf dieses Thema zu antworten, weil dort viel Geld bereit gestellt werde, sagte Ludewig mit einem Augenzwinkern, um dann zu betonen, die Frage des Marktzugangs für Innovationen sei genauso wichtig wie die elektronische Patientenakte. „Deutschland ist kein Selbstzahlermarkt. Wenn wir Ideen keinen Markt geben, werden sie gar nicht umgesetzt, weil die Unternehmen pleitegehen, oder in einem anderen Land.“ In Washington treffe man viele Deutsche, die sich dort niedergelassen haben, weil ihre Ideen auf dem deutschen Markt nicht funktioniert haben. „Es ist wichtig, dass wir einen systematischen neuen Marktzugang schaffen.“